Was sind Lebensmotive?

Lebensmotive definieren wir als elementare Letztmotive und Zwecke.

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So wie Chemiker*innen alle Stoffe auf elementare Bestandteile zurückführen können, zeigen Faktorenanalysen komplexer Motivhandlungen, dass praktisch alle psychologisch bedeutenden Motive aus einer Kombination der 16 Grund- oder „Letztwerte“  bestehen.

Individuelle Unterschiede der jeweiligen Motive waren und sind ein Schlüssel, um menschliches Verhalten zu interpretieren und evtl. vorhersagen zu können (Allport,1950, Maslow,1943, 1970; Murray 1938). Wenn man wissen möchte, was Menschen tun werden, muss man zuerst herausfinden, was sie wirklich wollen – und dann davon ausgehen, dass sie diese Wünsche und Bedürfnisse in ihrem zukünftigem Handeln auch befriedigen werden.

Dass diese Idee in der Psychologie keine große Rolle gespielt hat, ist überraschend. Obwohl es tausende standardisierte Verfahren gibt, geht es nur in wenigen darum, was ein Mensch vom Leben möchte. Das Reiss Motivation Profile®  wurde daher entwickelt, um die jeweiligen Bedürfnisse, Ziele und Werte eines Menschen umfassender verstehen und abbilden zu können.

Obwohl jeder Mensch von allen 16 Lebensmotiven beeinflusst wird, hat jeder eine individuelle Motivstruktur, die im Reiss Motivation Profile® abgebildet wird: Es zeigt, welche Motive wie stark oder gering das Leben eines Menschen beeinflussen und gestalten. Im Allgemeinen erklären die am stärksten und geringsten entwickelten Motive das individuelle Verhalten am besten, während die nur durchschnittlich bedeutsamen Motive dies weniger tun, aber natürlich auch Erklärungswerte für das individuelle Verhalten liefern. Wenn beispielsweise ein Mensch eine durchschnittliche Ausprägung des Lebensmotivs Macht hat, so weist dies darauf hin, dass Karriere und Ehrgeiz für ihn eine Rolle spielen. Viele Entscheidungen im seinem Leben wird er in diese Richtung treffen. Aber er wird ab einem bestimmten Punkt nicht zu viel an Verantwortung übernehmen wollen und sich auch nicht zu viel aufladen wollen.

In unserem Leben streben wir danach, die im Reiss Motivation Profile® am höchsten bewerteten Motive zu befriedigen und erfüllen. Diese Lebensmotive wirken selbstverstärkend: Bald nachdem wir sie befriedigt haben, wird es wieder „fordernd“. So wie wir einige Stunden nach einer sättigenden Mahlzeit wieder hunger bekommen oder nach anregenden Gesprächen oder Kontakten erneut die Nähe von anderen Menschen suchen, bestimmen Lebensmotive im allgemeinen sehr viel stärker und dauerhafter unsere Leben als die geriner ausgeprägten Bedürfnisse.

Lebensmotive gestalten unser Leben, weil wir sie im Wortsinne ganzheitlich erfahren: Sie „lenken“ oder organisieren unser Verhalten und bestimmen unsere Konzentration und Aufmerksamkeit ebenso wie unser Fühlen, unsere Wahrnehmung und unser Denken. Dabei sind drei Aspekte besonders wichtig:

  • Lebensmotive sind kontinuierlich – von eher gering ausgeprägt bis besonders stark. Die Abbildung zeigt beispielsweise den Unterschied in unserem Bedürfnis nach Geselligkeit: obwohl wir alle die Nähe von anderen brauchen, unterscheiden sich Individuen stark darin, wie sehr dies ihr Leben bestimmt – im Beispiel bevorzugt es Peter insgesamt, alleine zu sein, während Paula viel Zeit mit anderen verbringen möchte.

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  • Lebensmotive führen uns zu einem Gleichgewicht zwischen zu viel und zu wenig. Wenn Peter oder Paula weniger von dem erleben, was sie sozial wünschen, dann motiviert sie dies, auf andere zuzugehen. Erfahren Sie dagegen mehr "Kontakt" als gewünscht, wird sie dies in die Einsamkeit führen, um ein neues Gleichgewicht zu finden. Zufrieden sind sie beide, wenn sie ihrem Bedürfnis gemäß mit anderen kommunizieren können.

Falls Peter und Paula beispielsweise länger als drei Stunden auf einer Party  sind, würde dies Peter unzufrieden machen, da dies mehr soziale Aktivität erfordert, als ihm lieb ist. Paula dagegen mit ihrem starken Geselligkeitsmotiv wird sich wohlfühlen - und am Ende wird sie möglicherweise noch mit einigen Gleichgesinnten in eine Bar gehen, um den Abend nicht allzu früh zu beenden, während Peter froh ist, endlich nach Hause gehen zu können.

  • Lebensmotive beeinflussen unsere Aufmerksamkeit: während wir alle Reize besonders beachten, die mit dem betreffenden Grundmotiv zu tun haben, neigen wir umgekehrt dazu, alles auszublenden, was keine einschlägige Bedeutung hat.

Zum Beispiel

  • eine gesellige Person wird immer auf gesellige Möglichkeiten achten, während die Introvertierte noch nicht einmal weiß, wo am Wochenende eine Party stattfindet;
  • eine wettbewerbsorientierte Person wird besonders darauf achten, ob unterschiedliche Aktivitäten Möglichkeiten zum Gewinnen eröffnen, eine wenig wettbewerbsorientierte Person wird gar nicht auf die Idee kommen;
  • eine ordnungsliebende Person wird immer schauen, wie aufgeräumt und sauber die Zimmer sind und sofort bemerken, falls etwas nicht an seinem Platz ist, während die "Schlampigen" kaum Notiz davon nehmen, dass der Tisch noch alle Spuren des letzten Essens zeigt oder das ganze Haus ein einziges Chaos ist.